Dhamma Gespräche

Mae Chee Hanna (ordiniert am 23.03.2019 als Samaneri Tisaranee)                

20. März 2018 Sirisampanno Kloster                       

Wir leben in Zeiten wo eine Unmenge von Informationen zu Verfügung stehen. Informationen wie das Kochen eines Fünf-Sterne-Menüs, zum Erlernen von Sprachen, dem Stricken eines Pullovers oder dem Bau einer Maschine. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Methoden für die Geistesschulung in jeglichen Variationen zu Verfügung stehen. Diejenigen, welche dies hier jetzt gerade lesen, sind womöglich schon durch viele Informationen aus Büchern, Internet oder Vorträgen vorbelastet, programmiert und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder sie sind überzeugt, dass sie die höchste Warheit gefunden haben und kontrollieren, ob dies hier mit dem vermeintlichen Wissen übereinstimmt. Jenes werden sie hier wahrscheinlich nicht finden; jedes Wort, das hier geschrieben ist, ist eine Konvention und die Wirklichkeit wird, genauso wie in allen Schriften, nicht entlarvt. Die Schriften sind wichtig, um mit dem Wissen zur Weisheit zu gelangen. Sie geben uns Orientierung. Wie ein Kompass, der helfen kann, aus dem Wald raus zu kommen. Die Kunst ist aber, sich ohne Kompass zu bewegen und sich nicht vom ihm abhängig zu machen. „Zu machen“ ein spielerischer Ausdruck, den man auch wörtlich nehmen kann.

Worte sind Ausdruck eines kollektiven Bewusstseins eines jedes Volkes, die eine Sprache „erbaut“ und benutzt.

Der Moment des „Sehens“ entspringt der vollkommenen Stille des Geistes.

Der Geist kommt zur Ruhe, wenn er wunschlos wird; wo keine Kontrolle, kein Wille, nicht einmal Akzeptanz seinen Platz einnimmt. Stell dir einen Flussstrom vor, der dich trägt und vor dir einen Wasserfall, der mit Wucht hinunter prallt und alles, was er trägt, umher wirbelt. Jetzt musst du vertrauen, dass dich das Wasser unten ausspuckt und du nicht im Wirbel gefangen bleibst und stirbst. Wenn du versuchst zu schwimmen, wirst du immer wieder geschleudert – bis hin zu Erschöpfung und Tod. Wenn du versuchst festzuhalten, was du am Rande des Flusses siehst, wirst du ermüden, die Kraft verlässt dich und du stirbst ebenso. Wenn du vertraust, dass der Strom dich trägt und ausspuckt, wie alle anderen Wassertropfen, die den Fluss ausmachen, wirst du zum See.

Dieses Vertrauen in die Natur, in die Naturgesetze, in die Vollkommenheit der Unvollkommenheit in uns heißt Ehrfurcht.

Je kleiner wir werden, desto größer werden wir.

Dhamma ist ein Naturgesetz. Freiheit bedeutet das Festhalten zu erkennen und das Leben loszulassen. Leben ist unbeständig. Unbeständigkeit ist Kreativität, Lebendigkeit. Dhamma ist nicht in Büchern zu finden, sie ist lebendig.

Die Schriften sind wichtig um Sie zu bewahren.​​​​​​

Der Kern der Lehre ist das Herz. Das lange Bemühen in der Praxis hat nur ein Objekt und das ist das Herz. Ein reines Herz ist unbesiedelt, unbesetzt, frei von Bewegung, frei von Begierde und frei von Abneigung ( su-vimutta citta). Das Begehren überwunden, an der Wurzel abgeschnitten, kann sich nicht mehr entwickeln. Wenn das Herz befreit wird, öffnet sich ein unbegrenzter Raum, ein Raum ohne Wände. Wenn die Begrenztheit zerplatzt, wird die Herzblume die Welt berühren, immer frisch, in jedem Moment. Ohne Anhaften an Reinem und Unreinem. Mitfühlend geht der Mensch durch die Welt, ohne Spuren zu hinterlassen.

10. April 2018 Sirisampanno Kloster

Alles im Leben ist vergänglich. Es gibt nichts in der Welt, was die Sinne erfassen, das nicht vergeht – das ist Naturgesetz. Dies kannst du nicht ändern, aber du kannst es akzeptieren.

Wenn wir die Natur beobachten, kennen wir das Erkennen. Wenn wir meditieren, können wir den „Fluss“/ Zerfall/ Vegänglichkeit (Pali: Anicca) in einer Tiefe erkennen, sodass das Akzeptieren wirklich realisiert wird. Die Akzeptanz, welche im Denken stattfindet, ist nicht vollkommen. Wenn jedoch das Herz akzeptiert, dann bist du Akzeptanz selbst. Nur das tiefe Erkennen vom dem, was ist, ermöglicht loszulassen. Akzeptieren bedeutet Loslassen.

Wir benutzen einen Gegenstand, beispielsweise ein Glas, um zu trinken, aber wenn wir es nicht mehr brauchen, stellen wir es wieder ab und lassen los. Wir schleppen den ganzen Haushalt nicht mit. So ist das auch mit dem, was der Geist erfasst. Es ist möglich, die sechs Sinne zu benutzen, ohne an ihnen festzuhalten. So entsteht keine Reibung, kein unnützer Energieverbrauch. Das Denken verbraucht sehr viel Energie. Wenn wir das Denken benutzen, wenn wir es brauchen und es nicht ständig selbständig aktiv ist, kann das von großem Nutzen für uns sein.

Wir können denken und uns dessen bewusst sein. Gewahrsein.

Wenn wir Meditation üben, können wir genau beobachten und wenn wir diese Übung konsequent in den Alltag integrieren, wird sich die Stille des Geistes nicht nur auf dem Meditationskissen zeigen, sondern seine wahre Natur wird immer gegenwärtig sein. Dieses Gewahrsein nimmt die Dinge so, wie sie sind, wahr. Ohne eigene Interpretation, losgelöst von der Vergangenheit.

27. April 2018 Sirisampanno Kloster

Wozu meditieren wir? Manche wollen mehr Ruhe, Stress reduzieren, andere vielleicht Glückserfahrung, beides ist möglich, aber Glückserfahrungen sind nicht das Ziel der Meditationspraxis. Auch die Stille des Geistes ist vorübergehend, wenn die Realität nicht erkannt wird. Mit dem Erkennen der Wirklichkeit lässt der Geist los und das ist befreiend. Er haftet nicht an Dingen und so auch nicht an Meinungen oder Vorstellungen. Der Geist wird wunschlos und frei von Abneigung. Das ist das höchste Glück. Das ist Frieden.​

29. April 2018 Sirisampanno Kloster

​Meditation kann den Geist, den Verstand und die Gefühlswelt verändern. Aber die Intention ist das, was uns vom Leiden befreit – oder wieder zum Leiden führt. Das Herz ist das Wichtigste. Ein reines Herz ist das, worum es geht. Nur damit können wir wirklichen Frieden erlangen.

Die Unwissenheit bringt uns in die gegenwärtige Lage, in der wir sind. Die Weisheit befreit das Herz, aber die Intention ist die Energie, welche transformiert.

30. April 2018

Im reinen Herzen wohnt keine Angst.

​Der Weg ist ein Balanceakt. Es ist möglich, sich in „romantischer Sehnsucht“ oder intellektueller Stumpfheit zu verlieren. Beides sind Sackgassen, welche nicht in die Freiheit führen. Angestrebt werden soll ein analytischer Verstand in Verbindung mit einem reinen Herzen. Sila – Samadhi – Panna: Heilsames Verhalten, Rechte Konzentration/Achtsamkeit, Weisheit. Diese Drei sind die Schlüssel zur Befreiung. Man muss das alles nicht verkomplizieren, der Weg ist einfach, leicht wie eine Feder. Er bringt enorme Kraft und Zuversicht mit sich – wenn die Intention selbstlos ist. Im reinen Herzen wohnt keine Angst. Wenn das Herz geöffnet ist, ist der Geist auch offen.

06. Mai 2018 Hannover

Wir lieben das, wir lieben jenes, wir haben ein Harmoniebedürfnis. Wenn man genau hinschaut, was für eine Intention dahinter steht, werden wir erkennen, wie selbstsüchtig unsere Bedürfnisse sind. Ehrlich, authentisch sein, ohne sich selbst zu belügen. Man braucht Mut. Man braucht Mut, den Weg zu wählen, der ungemütlich und altruistisch ist. Der mit Scherben ausgelegt ist. Wenn du den Mut aufbringst und diesen Weg gehst, werden sich die Scherben in Blumen verwandeln. Dann ist er leicht und kraftvoll.

18. Mai 2018 Sirisampanno Kloster

​Was wären wir ohne Liebe?
Sprich nicht über Liebe,
sei die Liebe selbst.
Sprich nicht über Liebe,
Wörter sind nicht echt.​

Es ist wichtig zu verstehen, dass Liebe als Gefühl/Energie in uns ist und uns nährt, auch wenn sie nach Außen gerichtet ist.

Du kannst nicht jemanden lieben, ohne Teil dessen zu sein. Das Gefühl ist in dir und nicht in den anderen, wird aber mit Freude empfangen, was zum Wohle des Anderen führt. Liebe ist kein Verliebtsein. Verliebtsein ist mit Begierde/Verlangen gesättigt. Beobachte, nimm Abstand, sei Zeuge dessen, was in deinem Herz passiert.

Du wirst all diese Wunder selbst erkennen.

Dann wird sich das Thema „Hass“ von selbst klären.

Die Tugenden sind die erste Schritte. Sie sind das Fundament, auf dem alles aufgebaut ist; sie sind der Mörtel der alles zusammenhält und sind als Erstes aufgelöst, so wie die Fugen in einem alten Haus. Am Ende des Weges bleibt nichts übrig, wird nichts mitgeschleppt, leicht, frei, rein, unbefleckt, einfach. Selbstlose, alles umfassende Güte……..

25. Mai 2018 Sirisampanno Kloster

In der Welt gibt es nichts faszinierenderes und umfassenderes, als den Geist. Was er alles erschaffen kann, können wir nur annähernd sehen, wenn wir uns die Entwicklung in der Informatik anschauen. Die globalisierte Technologie, Nanotechnologie usw. – das sind nur Bruchteile dessen, was ein Geist in Stande ist zu erschaffen. Das alles macht unser Geist und er kann noch mehr, unendlich mehr. Das Wunderbarste in alle dem ist, dass er sich selbst erkennen kann. Mit der richtigen Ausrichtung – Methode – ist es möglich, eigene Gedanken zu sehen, zu erkennen und sich so Mustern und konzeptuellen Sichtweisen bewusst zu werden. Das Leiden erkennen und aus dem Leiden rauskommen.

28. Mai 2018

​“Der Geist geht den Dingen voraus.“ (Dhammapada Vers 1). Buddha hat gesagt, dass wir für unseren Geist selbst verantwortlich sind. Dadurch sind wir auch für die Welt verantwortlich! Denn alles, was wir erfahren können, ist nur durch unseren Geist erfahrbar. Außerhalb von uns den Schuldigen zu suchen, der für unser Leid verantwortlich ist, bringt noch mehr Leiden mit sich. Denn in uns entsteht ein negatives Gefühl, das zu noch mehr Leid führt.

27. Juni 2018 Muttodaya Kloster

​Demut macht das Herz offen für Gleichmut. Gleichmut macht das Herz frei für die Güte.

​15. Juli 2018 Hannover

Worte sind nur eine Inspiration. Umsetzen = Leben, müssen wir alleine. „Geduld, Akzeptanz, Wahrhaftigkeit, Heilsames Tun“ aus dem Buch machen unseren Geist nicht dauerhaft ruhig. Das müssen wir selbst bewirken, durch praktizieren von Silas, Achtsamkeit und mit Erkennen, durch Weisheit, der wirklichen Realität.​

Die Weisheit gibt den Menschen Geborgenheit.

Ist der Mensch geborgen, wird der Kampf zur Ruh kommen.

​15. August 2018 Sirisampanno Kloster

​Die Idee vom Selbst, Ich, Meins zu entlarven, zu durchschauen, aufzulösen ist die größte Herausforderung der Menschheit. Wenn kein Reisender ist, kein Sucher, kein Denker, kein Meditierender, gibt es noch Reisen, Suchen, Denken, Meditieren?

25. August 2018

​So viel Lärm um Nichts,
so viel Tun wo nichts fehlt,
so viel Kampf wo Frieden ist,
so viel zu viel, zu schnell, zu groß.​

09. September 2018 Hamburg

Loslassen bedeutet keine Gleichgültigkeit! Gleichmut ist REINE LIEBE und Güte.

Loslassen ist, Verantwortung für das Leben zu übernehmen, ohne es besitzen zu wollen. Verantwortung ist keine Pflicht, es ist Hingabe. Menschsein bedeutet: Güte zu sein, Geduld zu sein, Frieden zu sein.

​20. Dezember 2018 Sirisampanno Kloster

​Wenn wir das eigene Selbst beobachten, werden wir uns des Träumens bewusst werden. Sind wir bewusst, erwachen wir aus dem Traum.​

09. Februar 2019 Sirisampanno Kloster

​In der Welt erscheint alles in Paaren; kalt-warm, lang-kurz, groß-klein, hell-dunkel, Glück-Unglück, Frieden-Krieg, Wohl-Unwohl usw. Das Einzige was ohne pendant ist, ist das Unbewegte, Unausgesprochene, jenes zwischen den Gedanken, zwischen den Atemzügen. Das, was ohne Suchen, ohne Finden ist.

17. März 2019 Wat Nangloen Pang Thongchai​

In der Gegenwart gibt es keine Ereignisse.​

24. März 2019 Colombo Sirilanka​

Die Reisenden sind die, die die Himmelssphäre verschmutzen, nicht die Flugzeuge.​

11. Juni 2019 Sirisampanno Kloster

Buddho…Buddho…Buddho…​​

13. September 2019 Sirisampanno Kloster​

Der Erkennende, der aus dem momentanen Erleben Erscheinungen erkennt, so wie sie sind, ist der, der lebt. Der Wissende, der belesene Interpretator, der Denkende ist der, der denkt, dass er lebt. Beide entsprungen aus der Unwissenheit, mit dem Unterschied, dass der Erste die Realität erkennt und sich befreit und der Zweite die Unwiessenheit mehrt.​