Erfahrungsberichte

#Podcast Mittagstisch

Über seine Erfahrungen auf dem Lilienhof und die gesellschaftspolitische Relevanz von Bewusstseinsschulung. 

(Startet mit einem anderen Bericht von seinem Kollegen)

Fabian G. (33 J.)

#1

Ich habe am zehntägigen Schweigeretreat teilgenommen, um mir eine Auszeit vom normalen „Alltagsstress“ zu nehmen und um mehr über mich und meinen Geist zu erfahren. Die Umgebung in der Natur, die direkte Nähe zum Wald, die Vögel, der Sternenhimmel – das alles half mir, mich mehr mit der Natur verbunden zu fühlen. Die Tage im Schweigen wurden warmherzig begleitet von Hanna. In ihren Gesprächen über den „Dharma“, die Lehre, konnte ich viel über mich und meinen Geist lernen. Ihre Ermunterung bei mir selbst zu forschen, hilft mir das Vertrauen in meinen eigenen Weg zu finden. Das größte Geschenk sind für mich die vielen kleinen oft spielerischen Übungen, wie ich in jedem Moment achtsam und gegenwärtig sein kann. In dem sehr kleinem Kreis von fünf Teilnehmern, habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. Ich bin dem Lilienhof sehr dankbar für die Lehre und die Möglichkeit in diesem gut behüteten Rahmen „nach Innen“ schauen zu können. 

Luisa M. (28 J.)

​#2

Mir hat das Wochenende auf dem Lilienhof wirklich gut gefallen. Viele nette Menschen und Tiere, denen ich begegnen durfte. Auch konnte ich wieder ein Stück weit mehr über mich selbst erfahren. An die eigenen Grenzen gehen, wie man mir hier so schön gesagt hat. Danke nochmal dafür. Als ich zurück nach Hause gekommen bin, habe ich mich auf Anhieb ausgeglichener und erholter gefühlt – und gleich eine Meditationsgruppe bei mir um die Ecke gefunden. Jetzt bin ich ambitioniert und guter Dinge ein regelmäßiges Meditieren in meinen Alltag zu integrieren.

Jan-Malte (25 J.)​

#3

Es ist immer wieder eine große Bereicherung, diesen Ort mit seinen herzlichen Wesen zu besuchen und Dhamma zu erfahren. Es war eine schöne und sehr wertvolle Zeit, in der ich wieder eine Menge dazu gelernt habe. Ich empfand meine Achtsamkeit am Tag nach dem Retreat deutlicher als sonst, ich war irgendwie ganz fein eingestellt – eine tolle Erfahrung. Meine Achtsamkeit war für mich bei allen Tätigkeiten deutlich spürbar. Was alles möglich ist, wenn man daran arbeitet!

Die überschaubare Anzahl an Retreatgästen sollte erfreuen, denn so hat man einen sehr direkten Kontakt und Betreuung durch die Lehrerin. Für die, die schon einmal Dhamma erfahren haben, werden es sofort wahrnehmen, was für ein Schatz dieser Ort ist.

Ein Körper, Gefühle, Wahrnehmung, Gedanken und Bewusstsein =)

Thorsten (48 J.)

#4

Vor einigen Monaten habe ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens getroffen.

Ich habe einige Zeit im Kloster verbracht.

Als ich damals von meinem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt bin, war ich an einem Punkt, an dem ich nicht weiter wusste. Ich fütterte meine Ängste mit mehr und mehr Gedanken, wodurch sie immer präsenter und größer wurden.

Und so begann ich mich über Meditationsklöster zu informieren. Ich wollte endlich wieder wach werden, meine unheilsamen Gedanken lernen zu kontrollieren und meinen Geist stärken. Außerdem wollte ich mich gleichzeitig nicht von Massagen oder einem entsprechenden Tagesprogramm benebeln lassen.

Als ich zum zehntägigen Schweigeretreat im Lilienhof ankam, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde.

Der Begriff „Kloster“ war für mich zuvor immer geprägt gewesen, durch das Bild von einer alten, aus Stein gebauten Burg, mit dunklen Gängen, die nur durch Kerzenlicht beleuchtet werden, und einem großen Saal, in dem man zu Abend an einer langen Tafel sitzt und von Lehmtellern isst.

Der Lilienhof ist das komplette Gegenteil davon: Er ähnelt einem alten Landhaus, mit einem großzügigen Garten und einer Scheune umringt von Wald und Feldern. Man spürt beim Ankommen sofort die Idylle und Ruhe, die ihn umringt. Und auch Innen ist alles liebevoll zurecht gemacht, obwohl der Ort sich im Umbau befindet, so dass ich mich direkt wohl fühlte.

Was den Lilienhhof aber wirklich mit Liebe und Heilsamkeit füllt, ist Hanna, die spirituelle Leitung. Hanna galt während unserer Zeit dort auch in einer Art und Weise als Vorbild.

Wenn man sich für den Weg des Buddhismus entscheidet, steht dort am Ende (vom Anfang) das Erwachen. Das heißt, dass man sich frei macht von all seinen Konzepten, Vorurteilen, Ansichten und Gedanken. Dass man die Schichten entfernt, die den inneren Kern umhüllen und zu diesem zurückkehrt. Und was dort am Ende übrig bleibt, hat Hanna für uns verkörpert und gelebt: Liebe, Akzeptanz, Mitgefühl, das Hier und Jetzt.

Alles, was ich davor über Befreiung oder achtsames Leben gelesen habe, habe ich intellektuell aufgenommen und gedacht zu verstehen, aber nur durch meine Zeit dort habe ich wirklich einen Zugang zu diesen Themen gefunden und konnte diesen in meinen Alltag einbauen.

Ich habe auf dem Lilienhof den Fokus bekommen, zu akzeptieren (meine Unzulänglichkeiten, wie auch guten Seiten), geduldig zu sein, Achtsamkeit zu praktizieren und anderweitig zu meditieren, lernen im Hier und Jetzt zu sein, zu lernen, wie wahres Mitgefühl aussieht, wie Demut aussieht – und bin meinem Selbst jeden Tag ein Stückchen näher gekommen, indem ich die Konzepte mehr und mehr kennenlernte, die meinen Alltag (un-)heilsam prägen, sowie mich darin geübt, von diesen abzulassen. Um dann zu einer Liebe zu gelangen, die jeder von uns leben und geben kann. Dann ist das keine anhaftende Liebe, wie wir sie kennen. Dann ist das eine Liebe, die auch dann noch bestehen bleibt, wenn alles andere wegfallen sollte. Eine Liebe, die so rein ist, dass man sie gespürt haben muss, um sie wahrhaftig beschreiben zu können.

Ob ihr nur für ein Wochenende kommen wollt, oder als langjähriger Teilnehmender immer wiederkehren wollt – der Lilienhof wird euch willkommen heißen. Mich prägt er heilsam und bringt mich auf meinem Weg sehr viel weiter.

Nele (19 J.)

#5

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Meditation, Achtsamkeit und innerer Arbeit. Meine Erfahrungen haben in mir den Wunsch wachsen lassen, mich diesem begonnenen Prozess noch intensiver zu widmen und ihn zu vertiefen. Der Schweigeretreat im Lilienhof war wie ein Geschenk, das genau zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben kam. In meinem Alltag war ich mit meinem Interesse für Achtsamkeit ziemlich allein. Beim Lilienhof angekommen, erschien mir dieser Ort wie ein großer Luxus. Hier ist alles der Achtsamkeitspraxis gewidmet. Die sehr besondere, intime Atmosphäre des Ortes, die nichts von einem „Zentrum“ hat oder sonst in irgendeiner Weise den Eindruck erweckt, Teil einer größeren Organisation zu sein, finde ich ausgesprochen wertvoll. In dieser Atmosphäre und mit der sehr herzlichen und unterstützenden Begleitung durch Hanna konnte ich vertrauen und mich auf den zehntägigen Prozess einlassen. Stück für Stück erlebte ich eine Öffnung, nach Innen und nach Außen. Für mich stellte das Zusammensein mit der Gruppe in Stille eine wirkliche Herausforderung dar. Meine sozialen Reaktionen und Projektionen konnte ich weder überprüfen noch überdecken. Sie waren da – und das musste ich akzeptieren. Auch lernte ich Hanna mehr und mehr „mit dem Herzen“ zuzuhören, wie sie es ausdrückte (und nicht mit dem Kopf). Die buddhistische Lehre war für mich neu und ich erkenne jetzt ihre Relevanz für meine eigene Praxis. Eine der sehr schönen Erkenntnisse war, dass es gut und richtig ist, meinen ganz persönlichen Weg zu gehen im Prozess der Bewusstwerdung. Und dass ich hierin nicht allein bin, sondern mich im Großen Ganzen, vor einer Jahrtausende alten Lehre oder meinem Gegenüber wiederfinde.

H.W. (38 J.)

#6

Von fallenden Schneeflocken und verwesenden Kühen

10 Tage Schweigen und Achtsamkeitspraxis im Lilienhof. Es ist das erste Retreat, das dort, im Nienburger Bruch zwischen weiten Feldern, einzelnen Höfen und großzügigem Mischwald, abgehalten wird. Anfang November – noch zeigt sich der Herbst mild und bunt. Wir sind 5 TeilnehmerInnen, 3 Frauen, 2 Männer, dazu Hanna – die spirituelle Leiterin des Lilienhofs, ihr kleiner Hund und eine junge Katze.

Aufbruchsstimmung: Wir sitzen gemeinsam am Tisch, essen Suppe, und wissen alle nicht so wirklich, was uns erwartet. Kommen aus unterschiedlichen Ecken mit unterschiedlichsten Hintergründen. Manche von uns mit mehr, andere mit weniger Erfahrung in Meditation, Achtsamkeitspraxis und buddhistischer Lehre. Aufregung, Neugier, Vorfreude, vielleicht auch ein wenig Unbehagen auf die Aussicht der nächsten 9 Tage. Noch sprechen wir miteinander, lachen, stellen die letzten Fragen, bevor wir einer nach dem anderen ein kleines Stückchen Holz in ein Tongefäß legen und damit das Schweigen einläuten. Die Handys sind ausgeschaltet, die Uhren beiseite gelegt, die Bücher verstaut. Jeglicher weltliche Input, jegliche Kommunikation nach außen ist im Standby Modus. Kein Sprechen, kein Lesen, keine Musik für die kommenden Tage. Wir sind angekommen. Mittlerweile ist die Nacht hereingebrochen.

Der nächste Morgen: Es gongt. Draußen, schwarze Nacht. Ich mache mich auf den Weg nach oben in den Meditationsraum. Hülle mich in Decken, schließe die Augen, beobachte meinen Atem. Gedanken kommen und gehen. Ich bemühe mich zurück zum Atem zu kommen, die Müdigkeit zu unterdrücken, den körperlichen Wehwehchen nicht zu viel Raum zu geben. Stille umgibt mich.

Endlich Frühstück: Der Magen knurrt. Warum schmeckt ausgerechnet beim Meditieren das Essen so gut, so köstlich, so frisch, so intensiv wie nie im Alltag? Reiner Sinnengenuss, der doch so schnell als solcher entlarvt wird. Jeden Tag eine kleine Aufgabe, worauf zu achten ist. Letztendlich geht es auch hier nur um das Praktizieren der Achtsamkeit. „Konzentriere dich nicht auf den Geschmack, sondern nur auf die Konsistenz, das Gefühl im Mund. Das Weiche, Harte, Flüssige, Feste.“ Die Mango ist so süß und so saftig, dass Hannas Anweisung schier unmöglich erscheint. Und dennoch verändert sich etwas in der Wahrnehmung. Ein kauender Körper, eins werden mit der Nahrung. Dankbarkeit und Bewusstsein für die Energiezufuhr und den ganzen Prozess, der damit in Gang gesetzt wird.

Spaziergang im Wald: Beim Atem sein und trotzdem offen für die Schönheit der Natur bleiben. 3 Schritte – einatmen, 3 Schritte – ausatmen. Wir schlagen uns quer durch den Wald. Die Füße auf weichem Moos gebettet, vorsichtig, um die vielen kleine Pilze, die überall aus der Erde sprießen, nicht zu zertreten. Der Wald – ein wahres Wunderland. Große Lichtungen, majestätische Bäume, die noch in den Farben des Herbsts leuchten, holziges Gestrüpp, weiches, knöchelhohes Gras, Beerensträucher, singende Vögel und irgendwann sogar ein Rudel Wildschweine, das in der Ferne polternd an uns vorbeitrampelt. Das Staunen fällt leicht, aber auch die Erinnerung an die vielen Schüsse der Jäger, die wir fast jeden Abend hören, hallt nach. In der Ferne stinkt es. Ein Geruch der Verwesung. Wir treten näher. In der Ecke liegt eine tote Kuh. Ganz deutlich ist ihr Gesicht zu erkennen, ihre Hufe, ihr verwundeter und offener Körper. Hanna ermutigt uns genau hinzusehen, den Prozess des Vergehens zu betrachten, auch um eine Akzeptanz für den Kreislauf der Natur zu entwickeln. Ich will mich nicht mit dem Tod konfrontieren. Nicht jetzt, wo gerade neues Leben in mir wächst. Es geht weiter. Hinein in den Wald. Plötzlich fängt es an zu schneien. Wir halten inne. Ich blicke nach oben und verfolge eine Schneeflocke nach der anderen, wie sie langsam zum Boden fällt und sich dort auflöst. Freude macht sich breit. Ein inneres Lachen und eine Wärme, die auch die nassen Füße, den harten Bauch und den Anflug von Müdigkeit vergessen lässt. Wir kehren zurück. Es riecht nach Kuchen.

Raum der Erkenntnis: Hanna leitet uns unermüdlich durch die Sitzungen. Stunde um Stunde, Tag um Tag. Sie bietet verschiedene Methoden an, ohne diese zu werten. Hier gibt es nicht den einen richtigen Weg, die einzig wahre Technik, es geht nicht um eine Religion, um eine Tradition. Es geht um die eigene Erfahrung und damit verbundene Erkenntnis – den eigenen Weg. Und der kann sich aus vielen Mitteln, Traditionen und Lehren speisen. Letztendlich ist es egal ob der Atem, ein Mantra, die körperlichen Empfindungen oder die Auseinandersetzung mit heiligen Schriften und Lehren zum Objekt der Betrachtung werden.

Das Spektrum ist groß: Von Metta, der Meditation der Nächstenliebe, bis hin zu Niederwerfungen (wenn vielleicht auch nur im Geiste). Aber jegliche Praxis, alles Tun, Handeln und Denken soll stets im Dienste der Achtsamkeit erfolgen: Ein ständiges Schulen der Konzentration und ein unentwegtes Zurückkommen zum Hier und Jetzt, egal ob man auf dem Kissen sitzt, Tee trinkt, die Toilette putzt oder durch den Wald spaziert. Es klingt so einfach und ist doch so schwer. Wieder wird mir bewusst, dass Meditieren irgendwie immer auch ein permanentes Scheitern ist. Ich spüre die geistige Unruhe, verfolge Gedanken, bemerke die Trägheit und komme doch immer wieder zurück zur Atmung. Ich merke wie es mir nach und nach immer leichter gelingt auch solche Zustände liebevoll zu akzeptieren. Ein Stückchen mehr Geduld, ein Stückchen mehr Gleichmut. Hanna sagt: „Natürlich geht es ums Erwachen. Alles andere ist Quatsch.“ Wir schlucken. Der Weg fühlt sich so weit an.

Ein langer Nachmittag: Die Wanduhr schlägt. Ein Zeichen um Innezuhalten. Einatmen, ausatmen. Wieviel Uhr es ist, ist egal. Sie geht sowieso falsch. Noch ist es hell draußen, aber die Dämmerung naht. Wir haben Zeit. So viel Zeit. Nicht immer leicht für Menschen, die Strukturen und Pläne lieben, den Tag am liebsten mit einem Überblick über lange to-do-Listen beginnen. Ich sitze und lausche in mich hinein. Eine Tasse Tee. Der Blick aus dem Fenster, hüpfende Vögel, fallende Blätter. Ruhe macht sich breit. Wie lange bin ich so gesessen? Es gongt. Zeit für die nächste Meditation.

Und es verändert sich: Wir sitzen, Minute um Minute, es läuft ein Mantra. Das Baby in meinem Bauch boxt und strampelt, wie ich es noch nie erlebt habe. Mir wird heiß und dann schlecht, ich will mich übergeben. „Wenn das Baby nicht meditieren will, dann will das Baby nicht meditieren. Quäle es nicht“ sagt Hanna. Ich gebe nach, übe mich in Akzeptanz und liebevollen Gedanken und fühle mich gleichzeitig ein bisschen durchschaut. Auch das ist es, was den Lilienhof einzigartig macht. Hier ist man nicht ein anonymer Jemand, der zwischen hunderten anderen meditiert und dabei die Lehren vom Band entgegen nimmt. Man befindet sich in einer fast eins zu eins Situation mit der spirituellen Leiterin, was dieser und ihrer Führung durch jeden einzelnen Tag eine große Portion Intuition und individuelle Herangehensweise ermöglicht. Hier gibt es nichts was maß-geschneidert ist, 1000fach erprobt, für gut befunden und wieder aufgegriffen wurde. Anders als in bisherigen Meditations- und Schweigeretreats komme ich in den Meditationen weniger in den Genuss von körperlichen Flow-Zuständen, was auch daran liegt, dass wir insgesamt weniger sitzen. Der eigene Ehrgeiz wird schnell entlarvt, ebenso Vergleiche mit Bekanntem, Wünsche nach bestimmten geistigen Zuständen… Dafür ein permanentes Herausfinden und Überprüfen des eigenen Seins, momentanen Zustands, jedes Atemzugs. Es ist ein Zurückgeworfen werden auf sich selbst, wobei einem die Verantwortung nicht abgenommen wird. Und gerade deshalb habe ich das Gefühl viel in den Alltag mitnehmen zu können. Aber natürlich ist es leichter wenn einem „die einzig wahre Methode“ auf dem Silbertablett serviert wird und man dazu auch noch mit körperlichen Entspannungszuständen belohnt wird.

Dazwischen: Ungeduld macht sich breit und wird lauter. Das Ziehen im Bauch wird immer stärker. Ich weiß ich muss zurück, brauche Zeit um alles vorzubereiten. Da ist ein Unwohlsein, obwohl doch eigentlich alles gut ist. Ein schmerzhafter, innerlicher Spagat zwischen den Welten. Aber meine Aufgabe ist jetzt da draußen. Ich zähle die Tage. Es gongt. Ich merke wie ich Schichten um Schichten an Gedankenmüll abtrage. Und ich spüre wie ich weich werde, durchlässig, verwundbar in einem sicheren Rahmen. Dankbarkeit steigt auf für all das was mich gerade umgibt, die Natur, die Stille, das gute Essen. Liebe für den kleinen Menschen in mir, den Menschen mit dem ich mein Leben teile, die Menschen mit denen ich das hier gemeinsam erlebe und für jene, die dafür verantwortlich sind, dass ich auf dieser Welt bin. „Möge ich glücklich sein, möge ich frei sein, möge ich geborgen sein. Mögen alle Menschen glücklich und frei sein, in Frieden leben, in ihren Herzen wohnen.“ Draußen fallen Schüsse. Die Jäger sind wieder unterwegs.

Rückkehr: Wir sitzen am Tisch. Früher als erwartet verkündet Hannah, dass das Schweigen jetzt gebrochen wird. Jeder soll ein Stöckchen aus dem Tongefäß ziehen und vor sich hinlegen. Eine von uns wird gebeten etwas vorzulesen. Stille… Wir sitzen und essen andächtig ohne ein Wort. Schwere und Leichtigkeit zugleich. Und dann scheint es zu platzen. Da ist Freude und Vorfreude, Enthusiasmus, Ausgelassenheit, der Wunsch sich auszutauschen. Als wir uns ein letztes Mal zum Meditieren hinsetzen, merke ich eine innere Unruhe, klein aber trotzdem deutlich. Mir wird bewusst, wie nah ich mir selber in den letzten Tagen war und wie ich mit jedem Wort, das ich spreche, jeden Kontakt, den ich suche, jedes Lächeln, das ich tausche, mich auch ein Stückchen weiter von mir entferne.

Wir brechen auf in die Welt da draußen. Im Auto fragen wir uns, wer Präsident von Amerika geworden ist. Noch ist die Zeit nicht gekommen, um das Radio einzuschalten. Ein wenig wollen wir uns noch von der Stille bewahren. Ich freue mich auf zu Hause. Und ich weiß, ich werde wiederkommen.

R.